KUNSTVEREIN BIELEFELD
Welle 61
33602 Bielefeld
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An Feiertagen geschlossen
- aktuell wegen Umbau geschlossen -
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Ausgehend vom titelgebenden Satz der Dichterin Lisa Robertson befragt die Ausstellung Lesen als künstlerische Praxis. Robertson beschreibt Lesen als einen Raum zeitlicher Überlagerungen, in dem Bedeutung beweglich bleibt, sich verschiebt, sammelt und zugleich entzieht. Im Lesen kreuzen sich unterschiedliche Zeitlichkeiten: die Zeit des Textes, ebenso wie die Zeit der Lektüre, die sich im Vollzug des Lesens immer wieder neu aktualisiert. Lesen ist demnach auch immer ein Nachträglich- und Gleichzeitigsein. Unterschiedliche Zeiten und Seinsweisen stehen dabei nicht für sich allein, sondern geraten in Schwingung, in Differenz und Nachhall und bilden eine rhythmische Bewegung.
So ist Lesen immer auch ein Hören im Kopf – ein innerer Takt mit eigenem Tempo, Pausen und Wiederholungen, der den Leseakt als auditive Praktik prägt sowie als multisensorische Erfahrung reflektiert.
In diesem Zusammenhang eröffnet die Ausstellung die diesjährige Auseinandersetzung des Kunstverein Bielefeld mit dem Sinnesorgan „Ohr“ und dessen Verbindung zum Lesen und Formen des (Zu-)hörens. Lesen wird hier auch verstanden als Praxis, die über den Text hinausweist und sich im Zusammenspiel von Wahrnehmung, Erinnerung, Imagination und innerer sowie äußerer Artikulation vollzieht.
Die Ausstellung versteht sich als ein Produktions- und Experimentierraum, in dem installative Setzungen, Lesungen und Performance in wechselnde Konstellationen treten. Die eingeladenen künstlerischen Positionen arbeiten jeweils mit Text als Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis und verbinden Lese- und Schreibpraktiken mit Installation, Video und Sound.
Die Ausstellung interessiert sich für die Bedingungen, unter denen Lesen überhaupt möglich wird: für historische Zusammenhänge und Wissenssysteme sowie für Codes, Ordnungen und Infrastrukturen, die mitgestalten, was als lesbar gilt und was verborgen bleibt. Lesen erscheint zugleich als Zugriff auf diese Strukturen wie auch als Moment ihrer produktiven Unterbrechung – insbesondere dort, wo Verständlichkeiten kippen und Fragen von (Un)Lesbarkeiten sowie Nicht-Wissen neue Prozesse öffnen.
Die gezeigten Arbeiten befragen die Performativität von Sprache und arbeiten mit genreübergreifend mit Schreibpraktiken, in denen Text durch Fragmentierung, poetische Setzungen und vokale Dimensionen in unterschiedliche mediale und räumliche Situationen überführt wird. Ebenso erscheint Schreiben als Ausgangspunkt installativer und performativer Arbeiten, in denen Lesen, Körper und Raum als miteinander verbundene Wahrnehmungs- und Bedeutungsprozesse erfahrbar werden.
Ein weiterer Teil des Ausstellungstitels read to / for markiert eine minimale Verschiebung innerhalb alltäglicher Sprachbewegungen und öffnet damit einen Zwischenraum des Lesens, der sich nicht eindeutig festlegen lässt. „read to“ verweist auf die Geste des Vorlesens, auf eine adressierte, nach außen gerichtete Bewegung der Sprache, während „read for“ Lesen als Ausrichtung oder Bezug auf etwas versteht, ohne dass dieses „Wofür“ eindeutig bestimmt wäre. Zwischen beiden Formulierungen entsteht ein offenes Feld, in dem Lesen als relationale Handlung erscheint, situativ, kontextabhängig und immer wieder neu in seiner Adressierung verhandelbar.